urbanität

"Urbanisierung ist die endlose Anhäufung von Kapital im Namen des Profits. Die Erdoberfläche wird im beispiellosen Maße zubetoniert."  ( David Harvey )

 

Laut Prognose wächst die Erdbevölkerung bis zum Jahre 2030 bis zu 8 Milliarden Menschen. Davon werden bis 5 Milliarden Menschen in Ballungsräume leben. Riesige Megacities entstehen in einem rasanten Tempo. Das führt oft zu Problemen wie wildes, nicht mehr überschaubares Bauen, besonders in den Randgebieten. Ewige Baustellen, Lärm, dichter Smog, schlechte Infrastrukturen, gesundheitliche und soziale Probleme sind die Folgen. In den schon meist bestehenden Zentren wird durch die Bauwut oft die seit langer Zeit gewachsende und geordnete Stadtlandschaft zerstört. Wohnraum mit leistbaren Mieten und Plätze für öffentliches Leben müssen den kommerziellen Verkaufszentren weichen. Ufoähnliche Superneubauten stehen beziehungslos zu ihrer Umgebung. Der Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich kritisierte in " Unwirtlichkeit unsere Städte" schon 1965 die menschenfeindliche Architektur. Graue, schwere und apokalyptischen Gebäude beeinflussen negativ die seelische Gesundheit des Menschen.

Aktuell erleben wir durch Corona weltweit eine Pandemie, die sich in Ballungsgebieten besonders heftig verbreitet. Virologen sagen voraus, daß solche Pandemien in Zukunft häufiger auftreten, unter anderem bedingt durch Urbanisierung und Globalisierung. Menschen dringen  aus wirtschaftlichen Gründen immer häufiger in unberührte Natur vor, zerstören sie, wodurch neue Gefahren entstehen wie vermutlich Covid 19 : Viren von Wildtieren wurden  auf Menschen übertragen und  durch den globalen Reiseverkehr und globalen Lieferketten mit hoher Geschwindigkeit weltweit verbreitet.

Die ersten vier Collagen im ersten Block zeigen Wuhan. Zerschneidungen und verschwommene Negativabbildungen symbolisieren die von Covid 19 ausgehende Gefahr. Bei den nachfolgenden Abbildungen veranschaulichen vergraute, farb- bzw. formreduzierte , vertikal und horizontal zerschnittene Stadtlandschaften  kalte, seelenlose Städte.  Diese Wirkung erzeugen in  rechteckigen und quadratischen Grundformen, großen Hell-Dunkelkontrasten nüchtern und kalt wirkende Stadtansichten in weiteren Abbildungen.  Collagen erzeugen mit vorherrschend dunkelblauen Farben aus Positiv - Negativfotos, sowie zerschnittenen und neu zusammengesetzten Fotos mit graphischen Elementen eine erdrückende und verwirrende Wirkung. Die Abbildungen im vorletzten Block basieren auf horizontal zerschnittenen und stark vergrößerten Fotos. Unschärfen erzeugen den Eindruck von Smog und Schmutz. Die vorherrschende graue Betonfarbe wird im letzten Block aufgehoben. Stadtansichten und Gebäude wirken hier durch Zerstückelung und Verschiebung von quadratischen und rechteckigen Grundformen einzeln wie abstrakte Graphiken.

Copyright © 2017 Erhard Gissel

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